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Das EBITDA-Multiple: nützlich, aber keine Bewertungsmethode

Zweimal jährlich veröffentlicht Brookz das Brookz Overname Barometer mit den durchschnittlichen EBITDA-Multiples pro Branche. Für viele Steuerberater und Finanzberater ist dies mittlerweile ein vertrautes Nachschlagewerk: Ein Blick und man hat eine Indikation, was ein Unternehmen in einer bestimmten Branche wert ist, oder? Diese Einfachheit ist jedoch auch gleichzeitig das Risiko. Ein Branchendurchschnitt ist keine Bewertung, und wer das Multiple ohne Korrekturen anwendet, kann einem Mandanten ein falsches Bild vermitteln.

1. Ein Durchschnitt erzählt nicht die ganze Geschichte

Die Multiples im Overname Barometer basieren auf tatsächlichen Transaktionen in einem Zeitraum von sechs Monaten pro Branche. Das macht sie als Richtwert wertvoll, aber ein Durchschnitt verbirgt oft eine erhebliche Streuung bei den Transaktionen. Innerhalb einer Branche können die Multiples von kleinen, einzelunternehmen-ähnlichen Betrieben und von größeren, professionell geführten KMU weit auseinanderliegen. Der Durchschnitt sagt also wenig darüber aus, wo ein spezifisches Unternehmen innerhalb dieser Bandbreite anzusiedeln ist.

2. Unternehmensgröße und Risiko fallen schwer ins Gewicht

Kleinere Unternehmen weisen in der Regel ein höheres Risikoprofil auf: stärkere Abhängigkeit vom Eigentümer, weniger Diversifizierung bei den Kunden und eine anfälligere Organisation. Käufer preisen dieses Risiko üblicherweise durch einen niedrigeren Preis ein. Ein generisches Branchen-Multiple berücksichtigt dies nicht, obwohl dies bei einer KMU-Bewertung oft die wichtigste Korrektur darstellt.

3. Wachstum und Marge werden nicht berücksichtigt

Zwei Unternehmen in derselben Branche mit demselben EBITDA-Niveau können völlig unterschiedliche Aussichten haben. Ein Unternehmen mit einem wachsenden Auftragsbestand, einer starken Wettbewerbsposition, wiederkehrenden Umsätzen und steigenden Margen rechtfertigt ein höheres Multiple als ein Unternehmen mit stagnierenden Umsätzen. Das Barometer blickt zurück auf abgeschlossene Deals; Ihr Mandant möchte wissen, was sein Unternehmen mit seinem eigenen Wachstumspfad wert ist.

4. Die Deal-Struktur beeinflusst das Ergebnis

Transaktionspreise sind selten rein. Earn-outs, Verkäuferdarlehen, Garantien und die Art und Weise, wie das Working Capital abgerechnet wird, beeinflussen alle den endgültigen Kaufpreis. Ein veröffentlichtes Multiple spiegelt diese spezifischen Vereinbarungen nicht wider, wodurch zwei scheinbar vergleichbare Deals dennoch zu sehr unterschiedlichen Multiples führen können.

Was können Sie als Berater stattdessen tun?

Nutzen Sie das Brookz Overname Barometer als Ausgangspunkt, nicht als Endpunkt. Kombinieren Sie das Branchen-Multiple mit einer gründlichen Analyse der spezifischen Risiken, Wachstumsaussichten und Normalisierungen des Unternehmens. Stellen Sie dieses Ergebnis vorzugsweise einer anderen fundierten Methode gegenüber, wie etwa einer Discounted-Cashflow-Berechnung, um zu prüfen, ob der Multiple-Ansatz realistisch ausfällt. So vermeiden Sie, dass Ihr Mandant überrascht wird, sobald ein Käufer mit seiner eigenen, viel schärferen Kalkulation aufwartet.

Genau hier liegt eine Chance für Sie als Steuerberater: Sie kennen die Zahlen, die Risiken und die Aussichten Ihres Mandanten besser als jeder andere. Indem Sie das Branchen-Multiple in eine fundierte, unternehmensspezifische Bewertung übersetzen, heben Sie Ihre Beratungsrolle auf ein höheres Niveau.

Eine fundierte Bewertung erfordert letztendlich mehr als nur ein Branchen-Multiple. Software kann dabei helfen, Annahmen zu untermauern, verschiedene Bewertungsmethoden gegenüberzustellen und den Prozess reproduzierbar zu machen.

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